Giving a Presentation

01: Einführung und Überblick

In der Blog-Reihe „Basics“ möchte ich die wichtigsten Grundlagen zusammenfassen, die es einem durchschnittlichen Angestellten ermöglichen, viele Jahre vor Eintritt des gesetzlichen Rentenalters sein Angestelltenverhältnis zu verlassen und finanziell frei als Privatier ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Zutaten hierzu sind schnell erzählt und wenig spektakulär, die Umsetzung verlangt jedoch tiefgreifendes Umdenken, Hinterfragen, Umstürzen alter Glaubenssätze und eine Neuorientierung des Konsumverhaltens. Wer die letzten Jahrzehnte (oder auch nur, aber insbesondere, die letzten zwei Jahrzehnte) im westlichen Mitteleuropa (oder den Vereinigten Staaten) gelebt hat, dem wird es nicht leicht fallen, an dem ein- oder anderen Eckpfeiler zu rütteln und sich neu aufzustellen. Dem kontinuierlichen Flächenbeschuss seitens der Marketingstrategen multinational agierender Großunternehmen und der Medienwelt rund um die Uhr ausgesetzt, ist es alles andere als leicht, diese Einflüsse aus dem eigenen Denken zu eliminieren und noch einmal neu zu denken, wie das eigene Leben, Arbeit und Konsum eigentlich funktionieren könnten oder sollten.

Dazu später mehr (viel mehr). Zunächst möchte ich in aller Kürze meinen eigenen Lebensweg schildern und die Banalität meines eigenen Vermögensaufbaus erläutern.

Im Grunde habe ich nichts anderes getan, als immer nur grob die Hälfte meines Einkommens auszugeben. Tatsächlich habe ich bereits als Kind so verfahren. Während einige Mitschüler ihr gesamtes monatliches Taschengeld am ersten Tag des Monats ausgegeben und sich die folgenden 29 Tage illiquide fühlen mussten, habe ich stets auf einen gleichmäßigen Fluss der Ausgaben geachtet – nur um des Vergnügens willens, immer Geld in der Tasche zu haben. Zum Payday des nächsten Taschengeldes hatte ich stets noch 50% des vorhergehenden Taschengeldes übrig. So wuchs auch schon als kleiner Junge mein Vermögen Monat für Monat. Die andere Hälfte meines Taschengeldes floss in Dinge, die mir als kleiner Junge wichtig waren und nicht fünf Minuten nach Kauf verkonsumiert sind. Eine Action-Figur ist fürs Leben, aber der Drops ist schnell gelutscht. ;-) Interessanterweise steigert dies den gefühlten Wert der Käufe sogar (und meine Action-Figuren sind heute mehr wert als vor 30 Jahren).

Paradoxer Weise führte meine kindliche Zurückhaltung dazu, dass ich mehr und größere Luxusgegenstände kaufen konnte als meine Mitschüler. Wer 10 Euro Taschengeld erhält und stets im Monat des Zuflusses verbrät, wird auch nie etwas besitzen, das mehr als 10 Euro wert ist. In meinem Modell des Kapitalflusses kamen hingegen auch 50-Euro Gegenstände vor, die in der Welt der Drops-Lutscher nicht existierten.

Im Arbeitsleben blieb ich bei diesem Verfahren. Jetzt, als ich für ein Einkommen echte Leistung vollbringen musste, verschärfte sich meine Einstellung zum Geld sogar nochmals. Hätte ich am Monatsende nichts von meinem hart verdienten Geld übrig gehabt, wäre in mir das Gefühl entstanden, für NICHTS zu arbeiten. Nur wenn stets genügend übrig blieb und der Haufen von Monat zu Monat größer wurde, empfand ich meine Arbeit als produktiv. So gab ich auch während meines Arbeitslebens nie mehr als grob die Hälfte meines Einkommens aus.

Hier höre ich viele Leser sagen, dass dies nur mit einem besonders hohen Einkommen möglich sein kann, und es in ihrer Situation undenkbar sei, auch nur geringste Rücklagen aufzubauen. Hierzu schreibe ich noch mehrere gesonderte Artikel. Für den Moment möchte ich die Leser nur bitten, kurz an ihre Ausbildungs- oder Studentenzeit zurückzudenken. Die meisten erhielten ein Lehrlingsgehalt oder BaFöG von etwa 800 Euro oder D-Mark  im Monat und konnten ihre monatlichen Kosten damit irgendwie bestreiten. Und war die Studienzeit nicht die „beste Zeit des Lebens“?

Wir nehmen die Kosten unseres Lebens überwiegend als fremdbestimmt wahr, doch das sind sie in Wahrheit nur zum kleinsten Teil. Den überwiegenden Teil unserer Kostenbasis haben wir selbst erschaffen. Zu realisieren, dass dies den Tatsachen entspricht, ist harte Arbeit und erfordert eine Neubewertung von „feststehenden Tatsachen“, weshalb ich diesem Punkt noch mehrere Blog-Artikel widmen werde.

Ich persönlich habe nach Arbeitsbeginn und mit steigendem Gehalt meine Kostenbasis stets nur mit zeitlichem Abstand nachgezogen. Aufgrund meiner gewachsenen differenzierten Betrachtung unserer Konsumwelt fand ich stets gute Deals, so dass in meiner Sicht der Dinge keinerlei Verzicht mit diesem Verfahren einherging. Analog zu meiner Situation als Kind konnte ich mir sogar früher größere Ausgaben leisten als Kollegen mit vergleichbarem Gehalt. Nach knapp 20 Jahren Arbeit ist so ein Vermögen entstanden, das - geschickt investiert – eine monatliche Rendite abwirft, die mein monatliches Ausgaben-Niveau übersteigt.

Manch pfiffiger Leser hat hier nun vielleicht bereits gerechnet. Offenbar hat der Blogger hier pro Jahr sechs Netto-Monatsgehälter zur Seite gelegt. Über 20 Jahre hinweg sitzt er nun wohl auf 120 Monatsgehältern. Die Rendite aus der Anlage von 120 Monatsgehältern sollen seine Ausgaben decken, die offenbar genau 0,5 Monatsgehälter betragen – Im Jahr also 6 Gehälter. Er erzielt also angeblich eine Rendite von – netto, nach Steuern – 5%. Vor Steuern fast 7%.

Stimmt das nun? Ja, aber nicht ganz. Natürlich wurde die besagte Hälfte des Netto-Einkommens auch schon während der vergangenen 20 Jahre angelegt und hat mit ihrer Rendite das Investitionskapital erhöht, das nun deutlich mehr als 120 Monatsgehälter beträgt.

Und die 7%? Gibt’s die? Ja, leicht! Aber nur für die, die diese Rendite nicht JETZT brauchen und damit klarkommen, dass aktuell ihre Rendite bei -10% liegt. Wer das kann, bekommt langfristig mehr als 7% Rendite vor Steuern.

Hier nochmal zusammengefasst die banalen Zutaten für ein wirkungsvolles Rezept:

  • Einnahmen möglichst hoch – ist ja klar.

  • Ausgaben möglichst gering – wie banal.

  • Unterschied (das „Delta“) möglichst renditestark investiert – auch logisch.


Fast forward ein paar Jahre…

  • Gewissenhaftes Monitoring von Einnahmen, Ausgaben, Rendite…

  • Fortgesetztes Engagement in finanzielle Bildung, persönliche Buchführung, Ausgabenoptimierung und Maximierung des Investmenterfolges.


Zielerreichung:

  • Sobald die Rendite die Ausgaben (oder sogar die Einnahmen) übersteigt, können Arbeitseinkünfte entfallen. Wir können unseren Job an den Nagel hängen, von unseren Kapitaleinkünften leben und tun, worauf wir richtig Lust haben.


So weit – so einfach.

Der schwierigere Teil ist leider, der Welt, die uns umgibt – die Konsumwelt meine ich – so weit zu entkommen, dass wir die sog. „Sparquote“ (Ich kann übrigens das Wort „Sparen“ nicht ausstehen – Das ist ein schlechter Mindset - Auch hierzu wird es Artikel geben. Ich spreche immer lieber vom „Delta“) auf (beispielsweise) 50% bekommen.

Es ist schon erstaunlich. Es gibt Menschen, die 2000 Euro im Monat verdienen und erklären, es sei unmöglich, auch nur einen Cent monatlich übrig zu haben. Dann gibt es Menschen, die 4000 Euro im Monat verdienen und das Selbe sagen. Auch sie haben keine relevanten Rücklagen. Und natürlich sind da auch noch Leute, die 8000 Euro im Monat verdienen und wiederrum das Selbe sagen. Und auch sie haben keine relevanten Rücklagen. Dabei hat doch schon der 800-Euro-BaFöG-Student bewiesen, dass er von seinem Geld die beste Zeit seines Lebens haben kann. Würde der 4000-Euro-Mensch nur drei Jahre im Modus „beste Zeit seines Lebens“ leben, lägen bereits mehr als 100.000 Euro Investitionskapital bereit, die ihm ein passives Einkommen von 500 Euro im Monat zufließen lassen könnten.

Das sich sowohl 2000-, 4000- als auch 8000-Euro-Bezieher überwiegend in der gleichen finanziellen Situation befinden (Von Monat zu Monat „auf Null“ leben, keine relevanten Rücklagen haben), zeigt meines Erachtens deutlich auf, wie lückenlos das Konsum-Netz um uns herum gestickt ist.

Wie ich es lebe, bedeutet es keinen Verzicht, den Konsum neu zu denken, sondern den Wechsel auf die Überholspur!

In meinen Blog-Artikeln, YouTube-Videos und in meinem 2021 erscheinenden Buch möchte ich die Zutaten zu meinem Konsum- und Investitionskonzept detailliert erläutern. Rezepte zur Ausgabenoptimierung finden sich unter „Der geile Deal“, Rezepte für besonnenes und renditestarkes Investieren unter „Investment-Ideen“.

Kauft nicht den ganzen Schnick-Schnack da draußen! Kauft Eure Freiheit!
In diesem Sinne! Alles Liebe, Euer Andreas